Gedichte

Der Gaukler

Du sahst ihn seltsam durch die Dämmrung schreiten.
Sein Gehen war wie eines Tänzers Gang.
Du hörtest, wie er lachte, wie er sang
Von Tod und Leben und von Kleinigkeiten.

Und was er unterwegs zu beiden Seiten
Gerade fand, das warf er hoch und zwang
Es in den Wirbel seines Spiels, solang
Es ihm gefiel. Dann ließ er es entgleiten.

Er lachte, wenn sein Spielzeug von ihm fiel.
Und lachte auch, wenn er nach neuem griff.
Nahm Abschied immer und kam immer an.

„Was ist dir ernst?“ so fragtest du den Mann
Und stelltest ihn. Er blickte auf. „Das Spiel!
Du lernst es auch.“ Und ging davon und pfiff.

– Michael Ende –

zum Thema Inkarnation:

Ehe ich in dieses Erdenleben kam,
ward mir gezeigt, wie ich es leben würde.
Da war die Kümmernis, da war der Gram,
da war das Elend und die Leidensbürde.
Da war das Laster, das mich packen sollte,
da war der Irrtum, der gefangen nahm.
Da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
da waren Haß und Hochmut, Stolz und Scham.

Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
die voller Licht und schöner Träume sind,
wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage
und überall der Quell der Gaben rinnt.
Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden,
als Auserwählter hoher Geister denkt.

Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel,
mir ward gezeigt die Wunde draus ich blute,
mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig Leben schaute,
da hört ein Wesen ich die Frage tun,
ob ich dies zu leben mich getraute,
denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme…
„Dies ist das Leben, das ich leben will“,
gab ich zur Antwort mit entschlossner Stimme
und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward ich geboren in diese Welt,
So war’s, als ich ins neue Leben trat.
Ich klag nicht mehr, wenn’s oft mir nicht gefällt,
denn: ungeboren hab’ ich es bejaht!

– Hermann Hesse –

Kakao

Was auch immer geschieht:
nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!

– Erich Kästner –

Mut zur Trauer

Sei traurig, wenn du traurig bist,
und steh nicht stets vor deiner Seele Posten!
Den Kopf, der dir ans Herz gewachsen ist,
wird’s schon nicht kosten.

– Erich Kästner –

Nur Geduld

Das Leben, das die meisten führen,
zeigt ihnen, bis sie’s klar erkennen:
Man kann sich auch an offnen Türen
den Kopf einrennen.

– Erich Kästner –

Eine Mutfrage

Wer wagt es,
sich den donnernden Zügen entgegenzustellen?
Die kleinen Blumen
zwischen den Eisenbahnschwellen!

– Erich Kästner –

Von Mord und Totschlag

Denkt ans fünfte Gebot:
Schlagt eure Zeit nicht tot!

– Erich Kästner –

Der Sanftmütige

Ich mag nicht länger drüber schweigen,
weil ihr es immer noch nicht wisst:
Es hat keinen Sinn mir die Zähne zu zeigen.
Ich bin gar kein Dentist!

– Erich Kästner –

Moral

Es gibt nichts Gutes
außer: Man tut es.

– Erich Kästner –

An die Maus in der Falle

oder: Freiheit und Christentum

Du rennst im Kreis und suchst ein Loch?
Du rennst umsonst! Begreif es doch!
Besinn dich!
Ein einz’ger Ausweg bleibt dir noch:
Geh in dich!

– Erich Kästner –

Variante zum >Abschied<

Ein Mensch, der Ideale hat,
der hüte sich, sie zu erreichen.
Sonst wird er eines Tages statt
sich selber andren Menschen gleichen.

– Erich Kästner –

0 Kommentare

  1. Liebe Shana,

    vielen Dank für deine Seite und für deine Videos, jetzt weiss ich nämlich was und wen ich vergessen hatte..meine Zauberer und Elfen, Mischlingsvölker!!! ich habe dein Video gesehen und weiss nun was ich zu tun habe…

    sag mal warum gibt es keine Channelings mehr bei dir auf deiner Seite?
    ich glaube ich habe irgendwie den Anschluss verpasst.

    liebe Grüße

    Anja Steinecker

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